Vergleich

Vollfinanzierung vs. 100%-Beleihung: Vergleich für Mainz und Rheinhessen

⏱ 10 Min Lesezeit · Veröffentlicht: 2026-05-10

Vollfinanzierung und 100%-Beleihung werden häufig synonym verwendet, bezeichnen jedoch zwei unterschiedliche Finanzierungsmodelle. Bei der reinen 100%-Beleihung finanziert die Bank den Kaufpreis der Immobilie vollständig; Käufer müssen Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch, gegebenenfalls Makler) aus Eigenkapital bestreiten. Die Vollfinanzierung – auch 110%-Finanzierung genannt – deckt zusätzlich die Kaufnebenkosten ab, sodass kein oder nur minimales Eigenkapital erforderlich ist.

Im Raum Mainz, Wiesbaden und Rheinhessen liegen die Kaufnebenkosten aufgrund der Grunderwerbsteuer von 5,0 % in Rheinland-Pfalz bzw. 6,0 % in Hessen zuzüglich Notar- und Grundbuchgebühren bei rund 8–10 % des Kaufpreises. Diese Summe entscheidet, ob eine 100%-Beleihung ausreicht oder eine echte Vollfinanzierung notwendig wird. Dieser Vergleich zeigt Unterschiede in Zinsen, Risiken, Voraussetzungen und aktuellen Konditionen regionaler Banken (Stand 2026).

Definitionen: 100%-Beleihung vs. Vollfinanzierung (110%)

100%-Beleihung: Kaufpreis vollständig fremdfinanziert

Die Bank finanziert den Kaufpreis der Immobilie zu 100 %, der Beleihungsauslauf (Loan-to-Value, LTV) liegt bei exakt 100 % des Verkehrswerts. Käufer bringen die Kaufnebenkosten – im Raum Mainz/Wiesbaden typischerweise 8–10 % – aus eigenen Mitteln ein. Bei einem Kaufpreis von 400.000 € sind das rund 32.000–40.000 € Eigenkapital.

  • Beleihungsauslauf: 100 % des Kaufpreises (Verkehrswert)
  • Eigenkapital-Bedarf: Kaufnebenkosten (ca. 8–10 %)
  • Zins-Aufschlag: +0,10–0,30 % p.a. ggü. 80%-Beleihung
  • Üblich bei: Käufer mit solider Bonität, mittlerem Einkommen

Vollfinanzierung (110%): Kaufpreis plus Kaufnebenkosten

Die Vollfinanzierung deckt Kaufpreis und Kaufnebenkosten ab, der Beleihungsauslauf steigt auf 105–110 % des Verkehrswerts. Banken stufen diese Variante als Hochrisiko-Finanzierung ein, da vom ersten Tag an keine Eigenmittel im Objekt stecken und im Verkaufsfall ein Verlust droht (Verkaufskosten schmälern Erlös).

  • Beleihungsauslauf: 105–110 % des Verkehrswerts
  • Eigenkapital-Bedarf: 0 € (theoretisch); Banken fordern oft Rücklagen
  • Zins-Aufschlag: +0,40–0,80 % p.a. ggü. 80%-Beleihung
  • Üblich bei: Besserverdiener, Beamte, Akademiker mit sicherem Einkommen

Zinsen 2026: Aufschläge und Bandbreiten im Vergleich

Der Zins-Aufschlag für Vollfinanzierungen und 100%-Beleihungen resultiert aus dem erhöhten Ausfallrisiko. Banken kalkulieren mit höheren Risikokosten und refinanzieren einen größeren Anteil zu ungünstigeren Konditionen. Stand 2026 liegt das allgemeine Zinsniveau für Baufinanzierungen bei 3,50–4,20 % p.a. (10 Jahre Sollzinsbindung, 80%-Beleihung).

Zins-Aufschläge nach Beleihungsauslauf (Stand 2026, 10 Jahre Zinsbindung)
BeleihungsauslaufZins-Aufschlag ggü. 80%-LTVEffektiver Jahreszins (Beispiel)
80 %Basis (0,00 %)3,70 %
90 %+0,05–0,15 %3,80 %
100 % (nur Kaufpreis)+0,10–0,30 %3,95 %
105–110 % (Vollfinanzierung)+0,40–0,80 %4,30 %

Bei einem Darlehen von 440.000 € (110%-Finanzierung eines 400.000-€-Objekts) beträgt der Mehraufwand durch 0,60 % höheren Zins über 10 Jahre rund 28.000 € zusätzliche Zinslast gegenüber einer 80%-Finanzierung. Dieser Betrag übersteigt oft das eingesparte Eigenkapital.

Voraussetzungen: Wer erhält Vollfinanzierung oder 100%-Beleihung?

Banken im Raum Mainz, Wiesbaden und Rheinhessen vergeben Vollfinanzierungen und 100%-Beleihungen nur bei überdurchschnittlicher Bonität. Folgende Kriterien müssen erfüllt sein:

  • Nettoeinkommen: Mindestens 4.000 € netto/Monat bei Einzelpersonen, 6.000 € bei Paaren (Faustregel: monatliche Darlehensrate ≤ 35–40 % des Nettoeinkommens).
  • Sicheres Arbeitsverhältnis: Unbefristeter Vertrag, Verbeamtung oder selbstständige Tätigkeit mit mindestens drei Jahren positivem Geschäftsverlauf.
  • SCHUFA-Score: Mindestens 95 %, keine negativen Einträge, keine laufenden Konsumentenkredite.
  • Alter: Typischerweise unter 45 Jahre bei Kreditbeginn (Volltilgung bis Renteneintritt realistisch).
  • Immobilie: Lage in gefragten Lagen (Mainz-Oberstadt, Wiesbaden-Biebrich, Rheinhessen-Zentrumsnähe), keine Renovierungsobjekte, marktgängige Ausstattung.

Für die reine 100%-Beleihung sind die Anforderungen etwas niedriger: Ein Nettoeinkommen ab 3.500 € und SCHUFA-Score ab 92 % können ausreichen, sofern die Immobilie in sehr guter Lage liegt und die Kaufnebenkosten (8–10 %) aus liquiden Mitteln nachgewiesen werden.

Risiken: Überschuldung und Zinsänderungsrisiko

Vollfinanzierungen und 100%-Beleihungen bergen strukturelle Risiken, die bei klassischen Finanzierungen mit 20 % Eigenkapital deutlich geringer ausfallen.

Überschuldung bei Wertverfall

Bereits am Kauftag übersteigt die Restschuld den Marktwert (durch Kaufnebenkosten bei Vollfinanzierung) oder entspricht ihm exakt (100%-Beleihung). Sinkt der Immobilienwert um 10 %, erleiden Käufer einen rechnerischen Verlust, der bei Verkauf oder Zwangsversteigerung real wird. Im Raum Mainz/Wiesbaden sanken Preise in weniger gefragten Lagen 2023–2024 um 5–8 %, in Spitzenlagen blieben sie stabil.

−7,2 % Prozent — Durchschnittlicher Preisrückgang Bestandswohnungen Wiesbaden 2023–2024 (Quelle: vdpResearch, Immobilienpreisindex Q4/2024)

Zinsänderungsrisiko bei Anschlussfinanzierung

Nach Ablauf der Sollzinsbindung (typisch: 10 oder 15 Jahre) bleibt bei Vollfinanzierungen eine höhere Restschuld. Steigt das Zinsniveau bis dahin um 1,5 Prozentpunkte, erhöht sich die monatliche Rate bei 300.000 € Restschuld um rund 375 €. Bei 80%-Finanzierung wäre die Restschuld niedriger, der Zinsschock entsprechend geringer.

  1. Lange Sollzinsbindung wählen: 15 oder 20 Jahre statt 10 Jahre sichern das aktuelle Zinsniveau länger ab.
  2. Sondertilgungsrecht nutzen: Jährlich 5–10 % außerplanmäßig tilgen, um Restschuld zu senken (siehe Linkziel Sondertilgung Baufinanzierung).
  3. Forward-Darlehen prüfen: Wenn Sollzinsbindung in 3–5 Jahren endet, kann ein Forward-Darlehen Zinserhöhungen absichern (siehe Linkziel Forward-Darlehen Vergleich).

Banken und Konditionen im Raum Mainz, Wiesbaden, Rheinhessen

Nicht alle Kreditinstitute bieten Vollfinanzierungen oder 100%-Beleihungen an. Im Raum Mainz, Wiesbaden und Rheinhessen haben folgende Banken (Stand 2026) entsprechende Produkte im Portfolio:

Vollfinanzierungs-Angebote regionaler und überregionaler Banken (Auswahl, Stand 2026)
Bank / Institut100%-BeleihungVollfinanzierung (110%)Besonderheiten
Mainzer VolksbankJaAuf AnfrageBevorzugt Bestandskunden, mind. 4.500 € Netto
Sparkasse MainzJaNeinMax. 100% bei Bonität AAA, Immobilie in Mainz-Kernlage
Wiesbadener VolksbankJaAuf Anfrage110% nur bei Beamten/öffentl. Dienst
INGJaNeinOnline-Antrag, bundesweit, mind. SCHUFA 95%
Interhyp / Dr. Klein (Vermittler)JaJaVergleich von 400+ Banken, inkl. Vollfinanzierungsspezialist Allianz, Münchener Hypothekenbank

Vermittler wie Interhyp oder Dr. Klein greifen auf spezialisierte Vollfinanzierer zurück (z. B. Allianz, Münchener Hypothekenbank, Commerzbank), die bundesweit agieren und oft bessere Konditionen bieten als regionale Institute. Der effektive Jahreszins liegt bei Vollfinanzierung (110%) aktuell zwischen 4,10 % und 4,60 % p.a. (10 Jahre Zinsbindung), je nach Bonität und Objektlage.

Rechenbeispiel: 100%-Beleihung vs. Vollfinanzierung Mainz

Szenario: Kauf einer Eigentumswohnung in Mainz-Neustadt, Kaufpreis 400.000 €. Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer Rheinland-Pfalz 5,0 %, Notar/Grundbuch 2,0 %, Makler 3,57 % inkl. MwSt.) = 42.280 €. Gesamtaufwand 442.280 €.

Finanzierungsvergleich 100%-Beleihung vs. Vollfinanzierung
Position100%-BeleihungVollfinanzierung (110%)
Darlehenssumme400.000 €442.280 €
Eigenkapital42.280 € (Kaufnebenkosten)0 €
Sollzins p.a. (10 J.)3,95 %4,30 %
Anfangstilgung2,00 %2,00 %
Monatliche Rate1.983 €2.322 €
Restschuld nach 10 J.319.150 €353.080 €
Gesamtzinsen 10 Jahre78.750 €92.360 €

Die Vollfinanzierung spart 42.280 € Eigenkapital, verursacht aber 13.610 € Mehrzinsen über 10 Jahre und eine um 33.930 € höhere Restschuld. Steigen Zinsen bis zur Anschlussfinanzierung auf 5,5 % p.a., kostet die höhere Restschuld weitere 1.866 € p.a. mehr an Zinsen.

Entscheidungshilfe: Wann welches Modell sinnvoll ist

Die Wahl zwischen 100%-Beleihung und Vollfinanzierung hängt von Liquidität, Bonität, Zinsniveau und persönlicher Risikobereitschaft ab.

Wann 100%-Beleihung oder Vollfinanzierung wählen?
100%-BeleihungVollfinanzierung (110%)
Eigenkapital vorhanden8–10 % für Kaufnebenkosten verfügbarKein oder nur minimales Eigenkapital, Liquidität für andere Zwecke
BonitätGut bis sehr gut (SCHUFA ≥ 92 %)Sehr gut bis exzellent (SCHUFA ≥ 95 %), sicheres Einkommen
EinkommenAb 3.500 € netto/Monat (Einzelperson)Ab 4.500 € netto/Monat (Einzelperson) oder Beamtenstatus
ZinsniveauBei steigenden Zinsen: geringere Restschuld vorteilhaftBei niedrigen Zinsen: Zins-Aufschlag verschmerzbar
Immobilien-LageGefragte bis sehr gefragte Lagen (Mainz-Oberstadt, Wiesbaden-Mitte)Nur sehr gefragte Lagen mit stabilem Werterhalt
RisikotoleranzMittel: Akzeptanz von Zins-Aufschlag, aber Sicherheitspuffer durch EigenkapitalHoch: Volle Hebelwirkung, keine Reserve im Objekt
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Kombination mit Fördermitteln und Steuervorteilen

Vollfinanzierungen und 100%-Beleihungen lassen sich mit öffentlichen Förderprogrammen kombinieren, um Zinsaufschlag und Darlehenssumme zu reduzieren.

  • KfW 261 (Wohngebäude-Kredit): Bis zu 150.000 € je Wohneinheit bei Neubau oder Sanierung zum Effizienzhaus, Tilgungszuschuss bis 37.500 € (Effizienzhaus 40). Reduziert Finanzierungsbedarf bei Neubauprojekten.
  • KfW 297/298 (Klimafreundlicher Neubau): Für Erstkäufer und Familien mit Kindern, Kredit bis 150.000 € zu 0,01–2,5 % p.a. (einkommensabhängig). Kann Teil einer Vollfinanzierung werden.
  • Wohn-Riester: Eigenheimrente fördert Tilgung von Immobilienkrediten durch Zulagen und Steuervorteile. Bei Vollfinanzierung erhöht Riester-Förderung die Tilgungsleistung ohne Liquiditätseinsatz.
  • Denkmalschutz-Abschreibung (§ 7i EStG): Bei denkmalgeschützten Objekten in der Mainzer Altstadt sind 9 % der Sanierungskosten über 8 Jahre steuerlich absetzbar. Steuervorteil kann Vollfinanzierungs-Zins-Aufschlag teilweise kompensieren.

Details zu Denkmalschutz-Finanzierungen finden Sie im Linkziel Denkmalschutz-Finanzierung Mainz Altstadt, Informationen zu Wohn-Riester im Linkziel Wohn-Riester für Modernisierung nutzen.

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Häufige Fragen

Welche Banken bieten Vollfinanzierungen und 100%-Beleihungen im Vergleich an?

Nahezu alle Geschäftsbanken und Sparkassen in Deutschland bieten sowohl Vollfinanzierungen (bis 110 % des Kaufpreises inkl. Nebenkosten) als auch 100-%-Beleihungen (exakt 100 % des Kaufpreises, Nebenkosten aus Eigenkapital) an. Die Konditionen und Mindestanforderungen unterscheiden sich jedoch erheblich.

Banken mit hoher Risikobereitschaft für Vollfinanzierungen (Stand 2026): Deutsche Bank, Commerzbank, ING, Interhyp, Dr. Klein. Voraussetzung ist in der Regel ein Haushaltseinkommen ab 4.500 € netto bei Einzelpersonen bzw. 6.000 € bei Paaren, unbefristete Festanstellung mit mindestens 3 Jahren Betriebszugehörigkeit und eine SCHUFA-Score von mindestens 97,5 %.

Regionale Sparkassen und Volksbanken vergeben 100-%-Beleihungen häufiger als echte Vollfinanzierungen und verlangen dabei eine Beleihungsauslaufobergrenze von 80 % für das erste Grundpfandrecht. Die restlichen 20 % werden als nachrangiges Darlehen zu höheren Zinsen (Aufschlag +0,8 bis +1,2 Prozentpunkte) vergeben.

Wann lohnt sich eine Vollfinanzierung statt einer 100-%-Beleihung?

Eine Vollfinanzierung lohnt sich, wenn Sie keinerlei liquides Eigenkapital für Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Makler — zusammen ca. 10–15 % des Kaufpreises) aufbringen können, aber Ihr Einkommen stabil und überdurchschnittlich hoch ist. Typische Zielgruppe: Beamte, angestellte Akademiker mit Bruttojahresgehalt über 80.000 €, Doppelverdiener-Haushalte.

Eine 100-%-Beleihung ist vorzuziehen, sobald Sie die Nebenkosten (10–15 %) aus eigenen Mitteln decken können. Der Zinsaufschlag gegenüber einer 80-%-Finanzierung liegt bei +0,3 bis +0,5 Prozentpunkten, während Vollfinanzierungen oft +0,8 bis +1,2 Prozentpunkte Aufschlag verlangen. Bei einem Kaufpreis von 400.000 € sparen Sie so über 10 Jahre Zinsbindung rund 12.000–18.000 € Zinsen.

Wie unterscheiden sich die Zinskonditionen bei Vollfinanzierung und 100-%-Beleihung konkret?

Die Zinsdifferenz zwischen einer klassischen 80-%-Finanzierung, einer 100-%-Beleihung und einer Vollfinanzierung (110 %) beträgt typischerweise (Stand März 2026, 10 Jahre Zinsbindung):

BeleihungsauslaufEffektivzins p. a.Aufschlag gegenüber 80 %
80 % (mit 20 % Eigenkapital)3,45 %
100 % (Nebenkosten aus Eigenkapital)3,75–3,95 %+0,30–0,50 Prozentpunkte
110 % (Vollfinanzierung)4,25–4,65 %+0,80–1,20 Prozentpunkte

Bei einem Darlehensbetrag von 400.000 € und 25 Jahren Laufzeit ergeben sich folgende Zinskosten über 10 Jahre Zinsbindung: 80-%-Finanzierung ca. 138.000 €, 100-%-Beleihung ca. 150.000–158.000 €, Vollfinanzierung ca. 170.000–186.000 €. Die monatliche Rate steigt von rund 1.900 € (80 %) auf 2.050–2.150 € (100 %) bzw. 2.300–2.450 € (110 %).

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